Wespen & Hornissen

- Ihr Ruf brummt ihnen voraus -

Was bringt's? Wem bringt's?

Um gleich einmal mit einem der größten Vorurteile zu beginnen:

Wespen und Hornissen sind keinesfalls nutzlos und gemein! Ganz im Gegenteil. Beide nehmen wichtige Rollen bei der Schädlingsbekämpfung ein!

"So etwas habe ich ja noch nie gehört", antwortete mir ein Mann im Gespräch in der Regionalbahn*. Also begann ich weit auszuholen und erzählte zunächst von der Hobbyimkerei. Bienen mag er, gab er zu, doch den Sinn der Wespe an seinem Kaffeetisch habe er noch nicht durchschaut. Nun die Kurzform meines Gedankenprotokolles:

Bienen benötigen zur Aufzucht der Brut Eiweiß, welches aus Pflanzenpollen gewonnen wird. Auch Wespen und Hornissen brauchen Eiweiß zur Aufzucht ihrer Maden, sammeln im Gegensatz zu Wild- und Honigbienen keinen Blütenpollen. Stattdessen haben sie sich auf die Verwertung tierischen Eiweißes spezialisiert.

Mein nickte und beließ es fürs erste dabei. Einige Haltestellen später griff er das Gespräch wieder auf um nachzubohren. Er wollte wissen, ob das nun seine Frage eigentlich beantwortet habe.

Wespen und Hornissen bedienen sich am zahlreichsten Lieferant tierischen Eiweißes auf der Welt; andere Insekten. Im Folgeschluss sind die Insekten, die wir als nutzlose und gemeine Biester ansehen, die möglichst ausgeräuchert werden sollten, die besten Gartenhelfer. Sie kümmern sich gern um Raupen und Fliegen, die wir oft in Streuobstwiesen finden - wenn man sie denn ließe.

Nicken, nachdenkliches Schweigen und einen abschließenden Smalltalk über die kürzlich schlechten Leistungen unserer Nationalmannschaft :)

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Anhang: Was ich in der Bahn nicht weiter ausgeführt habe, möchte ich nun hier noch gerne ergänzen.

Vielleicht sagt es dem ein oder anderen Leser etwas: Lotka-Volterra-Modell 

Gemeint ist hiermit die sog. Räuber-Beute-Beziehung. Nach diesem Modell ist also völlig natürlich und auch logisch, dass beispielsweise die Zahl der Raupen an einem Obstbaum zunächst übermäßig groß ist - bis die Räuber (Wespen, Hornissen & andere Raubinsekten) - ihre Population aufgebaut haben. Spritzt man nun ein Insektizid, wird zwar die Population der Raupen schlagartig verringert, eine Nachhaltige Lösung ist dies jedoch nicht.

Besonders auf Plantagen sind Schädlinge ein großes Problem. Hier ist das Nahrungsangebot so groß, dass diese einen enormen Wachstumsschub bekommen und/oder in ihrer Zahl so schnell ansteigen, dass schnell große finanzielle Schäden entstehen können. Oft wird aus dieser Angst heraus bereits präventiv gespritzt und so die Zahl der Schädlinge klein gehalten - doch dies betrifft leider auch die Nützlinge und auch uns, da wir als Verbraucher die Spitze der Pyramide bzw. das letzte Glied der Nahrungskette bilden. 'In Maßen genießen' bekommt somit einen ganz neuen Beigeschmack.

 

*Ich trage öfter T-Shirts mit Aufdruck von Imkereimotiven und Sprüchen und komme so des Öfteren mit den verschiedensten Charakteren ins Gespräch